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Naturfreunde Österreich | Umwelt- & Naturschutz

Naturfreunde Österreich | Umwelt- & Naturschutz
Dipl.Ing. Regina Hrbek
Viktoriagasse 6
1150 Wien
Tel: 01/892 35 34-16
Email: regina.hrbek@naturfreunde.at
ZVR: 665376741

NATURFREUNDE TIPPS

Erdbebenhilfe für Nepal - bitte unterstütze uns dabei mit deiner Spende!

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Bereits seit 2 Jahren sind die Naturfreunde NÖ gemeinsam mit der Hilfsorganisation Children of the Mountain in Nepal (Bergdorf Tandrang) tätig, um den Menschen dort zu helfen. Jetzt, nach der Erdbebenkatastrophe soll diese Hilfe verstärkt und erweitert werden.

Höllensteinhaus – Umweltzeichen

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Das Höllensteinhaus wurde mit dem Österreichischen ausgezeichnet.

Tourism_LOG

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Hier berichten Reisende aus der ganzen Welt von ihren Erfahrungen und Beobachtungen - kurios, kontrovers, kritisch - um eine umfassendere Auseinandersetzung mit dem komplexen Thema Tourismus und dessen Auswirkungen zu ermöglichen.

Folder "Eine strahlende Zukunft mit Atomkraft? NEIN, DANKE!"

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Dieser Folder stellt Pro-Atomkraft-Argumente den Fakten gegenüber. Jetzt kostenlos anfordern.

Atmosfair - klimaverträgliches Reisen

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Durch freiwillige Kompensationszahlungen wird von atmosfair in Solar-, Wasserkraft-, Biomasse- oder Energiesparprojekte investiert, um dort eine Menge Treibhausgase einzusparen, die eine vergleichbare Klimawirkung haben wie die Emissionen des Flugzeugs.
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Der Wald ist ein wunderschöner Ort, um Ruhe und Erholung zu finden, und gewinnt für viele Menschen gerade in der heutigen schnelllebigen Zeit enorm an Bedeutung.
© Doris Wenischnigger
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Ohne Angabe der Zeitdauer ist eine Sperrtafel ungültig.
© Alfred Leitgeb

KONTAKT

Umwelt- & Naturschutz

Der Wald ist für alle da!?

Der Wald hat für uns Menschen, die ihn umgebende Landschaft, den Boden, das Wasser und die Luft sowie für die Tier- und Pflanzenwelt eine große Bedeutung. Er erfüllt wesentliche Schutz- und Nutzfunktionen und dient uns Menschen als Erholungsraum. Doch wer darf was in Österreichs Wäldern?

Etwa 47 Prozent Österreichs sind von Wäldern bedeckt, was einer Fläche von ca. 3,9 Mio. ha entspricht. An die drei Viertel werden von privaten Besitzern bewirtschaftet. Die Besitzverhältnisse sehen laut Lebensministerium wie folgt aus: Rund 50 Prozent sind Privatwald mit Flächen unter 200 ha, 22 Prozent sind Privatwald mit über 200 ha. Die Österreichische Bundesforste AG bewirtschaftet den Staatswald, das sind rund 16 Prozent der Waldfläche. 9 Prozent sind Gemeinschaftswald, 2 Prozent sind Gemeindewald und 1 Prozent ist Landeswald.

Viele Menschen erholen sich im Wald vom Alltagsstress. Was gibt es auch Schöneres, als seine Freizeit in der Natur zu verbringen? Waldgebiete haben einen besonderen Reiz. Sie bieten Ruhe und ein günstiges Klima. Aber auch für sportliche Aktivitäten wird der Wald in verstärktem Maße aufgesucht. Und das führt vermehrt zu Konflikten zwischen Grundbesitzern und Waldbenützern.

Probleme mit der Bewegungsfreiheit im Wald gibt es seit Beginn der Industrialisierung und des damit verbundenen Eisenbahn- und Straßenbaus: Um der Tristesse der Stadt zu entfliehen, kamen viele Menschen in ihrer Freizeit aufs Land und wollten sich in den Wäldern und in der Bergwelt erholen. Das war den meisten Grundbesitzern (vor allem Adeligen, Industriellen und Vertretern der Kirche) ein Dorn im Auge; sie sahen sich u. a. in ihren Jagdinteressen gestört, und es kam zu zahlreichen Auseinandersetzungen. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde in einigen Bundesländern das freie Wegerecht oberhalb der Waldzone gesetzlich verankert, erst seit 1975 regelt das Forstgesetz die freie Begehbarkeit des Waldes. Alpine Vereine, vor allem die Naturfreunde Österreich, und auch die Arbeiterkammer haben sich dafür intensiv eingesetzt.

 

Rechtliches

In Österreich gehören zwar die Wälder den jeweiligen Grundbesitzern, begehen dürfen wir sie aber alle. Das Forstgesetz 1975 (§ 33) ermächtigt alle, den Wald zu Erholungszwecken zu betreten und sich dort aufzuhalten. Erlaubt ist alles, was man unter „Gehen“ verstehen kann, also auch Klettern, Skifahren und Langlaufen. Die Errichtung von Wegen, Klettersteigen und Loipen bedarf jedoch der Zustimmung des Eigentümers; Kletterrouten mit einzelnen Haken dürfen auch ohne Zustimmung gesetzt werden. Das Befahren (mit einem Rad oder Auto), Reiten und Campieren sind ohne Zustimmung des Eigentümers verboten.

Forststraßen gehören rechtlich zum Wald. Das Begehen von Forststraßen zu Erholungszwecken ist demnach gestattet. Für das Befahren mit einem Auto oder Mountainbike braucht man die Erlaubnis des Eigentümers bzw. jener Personen, denen die Erhaltung der Forststraße obliegt.

Das Forstgesetz sieht befristete und unbefristete Waldsperren vor. Ein Wald darf für bestimmte Zwecke (Holzfällen, Schädlingsbekämpfung etc.) bis zu vier Monate ohne behördliche Bewilligung gesperrt werden, für eine mehr als viermonatige Sperre braucht der Besitzer eine Genehmigung. Waldsperren müssen übrigens mit Hinweistafeln gekennzeichnet werden, auf denen die Zeitdauer der Sperre eindeutig angeben sein muss. Unbefristete Sperren sind zum Beispiel für Bereiche mit Sonderkulturen sowie rund um Wohn- und Wirtschaftsgebäude möglich.

Die forstrechtliche Betretungsfreiheit endet meist an der Baumgrenze. Was gilt nun, wenn man in dieser Höhe zum Beispiel beim Wandern aus einem Wald herauskommt? Die Landesgesetze für die freie Begehbarkeit im Ödland. Während in Kärnten, Oberösterreich, Salzburg, Vorarlberg und in der Steiermark prinzipiell das freie Betreten des Berglandes garantiert wird, fehlen im Bergsteigerland Tirol und auch in Niederösterreich, in Wien und im Burgenland solche Bestimmungen. In Wien und im Burgenland besteht dafür ja auch kein Bedarf. Aber in Tirol und in Niederösterreich sollte ein diesbezügliches Gesetz geschaffen werden.

Das freie Betretungsrecht im Wald kann aus forstlichen (z. B. Aufforstungsflächen), jagdlichen (z. B. Bereiche der Wildfütterung), wasserrechtlichen (z. B. Wasserschutzgebiete), militärischen (z. B. Truppenübungsplätze) und den Naturschutz betreffenden Gründen (Naturschutzgebiete wie Feuchtgebiete, Moore usw.) eingeschränkt werden.

 

Konflikte

Pilzsammeln erlaubt?

In den letzten Jahren haben Besitzer großer Waldgebiete immer wieder versucht, Eintrittsgebühren verlangen. Anfang 2008 führten zum Beispiel fünf Waldbesitzer auf der Koralpe in Kärnten eine Lizenz um 45 € für SchwammerlsucherInnen ein. Das war eine klare Beschränkung des freien Zugangs in die Natur. Im Sommer 2008 wurde die Gebühr aufgrund des großen Widerstandes der Bevölkerung und der Naturfreunde Österreich zwar gekippt, man muss jedoch eine Gratislizenz einholen. Es gibt übrigens noch immer Waldgebiete in Österreich (z. B. in der Steiermark), wo man fürs Schwammerlsuchen zur Kasse gebeten wird. Das Einheben solcher Gebühren ist eine neue Form der finanziellen Abzocke und rechtswidrig. Seit der Novelle des Forstgesetzes im Jahr 1987 ist festgeschrieben, dass dem Wald pro Tag und Person 2 kg Pilze entnommen werden dürfen, sofern seitens des Eigentümers keine Einwände erhoben werden. Dass man eine gewerbsmäßige Ausbeutung Österreichs Wälder unterbinden möchte, ist verständlich. Niemand will, dass Pilze in riesigen Mengen von professionellen Sammlern ins Ausland gekarrt und dort zu Höchstpreisen verkauft werden. Für private Pilzsammler - Einheimische wie Urlauber - sollte das Vergnügen aber weiterhin gratis sein, vorausgesetzt, die bestehenden gesetzlichen Bestimmungen werden eingehalten.

 

Jagdsperr- und Wildschutzgebiete

Nicht zuletzt aufgrund der steigenden Freizeitaktivitäten in den Wäldern ist es in den letzten Jahren in manchen Bundesländern, zum Beispiel in Kärnten, zu massiven Beschränkungen der Wegefreiheit gekommen, vor allem durch die Verordnung von Jagdsperr- und Wildschutzgebieten. Hierzu sei gesagt, dass alle Jagdgesetze vorschreiben, dass die Hinweistafeln nach der Beendigung einer Sperre umgehend zu entfernen sind, was leider nicht immer der Fall ist. Des Weiteren muss auf den Tafeln die Dauer der Sperre angegeben sein, sonst ist die Sperre ungültig. Wichtig: Jagdsperr- und Wildschutzgebiete dürfen normalerweise auf den bestehenden Wegen durchquert werden. Es gilt meist ein Wegegebot, das heißt, man darf die Wege nicht verlassen. Die rechtlichen Details kann man in den jeweiligen Landesjagdgesetzen nachlesen.

 

Nutzungsbefugnisse in Gefahr

Auch der zunehmende Verkauf österreichischer Wälder an private Großinvestoren birgt Konfliktpotenzial. Laut Jurist Dr. Hubert Resch* hat die Allgemeinheit, soweit Berge und damit auch die Wälder im Eigentum von Bund, Ländern und Gemeinden stehen, rechtlich sehr gut begründbare Nutzungsbefugnisse. Resch vermutet, dass es bei einer Privatisierung von Staatseigentum zu einer schleichenden Änderung der Nutzungsbefugnisse kommen wird. So könnten die Versuche privater Waldbesitzer, die Wegefreiheit zu beschneiden, immer häufiger werden.

 

Funktionen des Waldes

Wälder sind komplexe Ökosysteme und erfüllen vielfältige Aufgaben.

• Schutzfunktion: Ohne Schutzwälder wären viele Regionen, beispielsweise die Alpen, kaum bewohnbar. Wälder schützen vor dem Abrutschen von Hängen, vor Muren, Lawinen, Steinschlägen, Erosion und Hochwasser. Damit diese Funktion erhalten bleibt, müssen Schutzwälder entsprechend bewirtschaftet werden.

• Wohlfahrtsfunktion: Wald hat einen günstigen Einfluss auf das (lokale) Klima, er mindert Lärmbelastungen, reinigt Luft und Wasser, bremst Wind und bietet Sichtschutz. Der Wald ist auch ein wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen.

•   Nutzfunktion: Der Wald ist Lieferant von Nutz- und Brennholz sowie die Lebensgrundlage vieler Menschen. Vor allem in den ländlichen Regionen ist der Wald ein wichtiger Wirtschaftsfaktor.

• Erholungsfunktion: Für uns Menschen ist der Wald auch ein vielfältiger Erlebnis- und Freizeitraum: Hier können Kinder wunderbar spielen, Wanderer und Spaziergänger Kraft tanken und sich entspannen, Radfahrer ihrem Sport frönen. Besonders für Städter ist der Wald ein ganz wichtiger Erholungsraum. Der Wienerwald mit seinem großen Wanderwegenetz zum Beispiel trägt wesentlich zur guten Lebensqualität in Wien bei.

 

Zu Gast in der Natur

Österreichs Wälder sollen natürlich auch in Zukunft allen Menschen offenstehen. Aber wir müssen beachten, dass wir hier nur zu Gast sind, und uns unserer Verantwortung gegenüber der Natur und den Waldbesitzern bewusst sein. Gewisse Grundregeln, die über die gesetzlichen Bestimmungen hinausgehen, sind daher einzuhalten. Zum Beispiel: Um Wildtiere nicht zu erschrecken und zu beunruhigen, sollte man sich in Wäldern stets ruhig verhalten und Hunde an der Leine führen. Man sollte nur auf markierten Wegen gehen und auf Abkürzungen verzichten. Dass man keine Abfälle hinterlassen und auch kein Feuer machen darf, sollte ebenfalls eine Selbstverständlichkeit sein.

 

Richtiges Miteinander

Die Waldbesitzer erbringen wichtige Leistungen. Durch ihre regelmäßige Pflege erhalten sie u. a. die Schutzfunktion des Waldes, und immer mehr Waldbesitzer bemühen sich um eine nachhaltige Bewirtschaftung, was auch zur Bewahrung bzw. zu einer Erhöhung des Artenreichtums beiträgt.

Konflikte zwischen Erholung suchenden Waldbesuchern und Waldbesitzern können durch ein „richtiges“ Miteinander minimiert werden. Der Ton macht die Musik! Die Waldbesucher haben sicherlich Verständnis für die eine oder andere Sperre, etwa bei gefährlichen Holzarbeiten. Daher sollten beide Seiten - Waldbesucher wie -besitzer - freundlich und verständnisvoll bleiben, dann keimt vielleicht so mancher Streit erst gar nicht auf …

 

Text von Dipl.-Ing. Regina Hrbek, Leiterin der Natur- und Umweltschutzabteilung der Naturfreunde Österreich; erschienen im Magazin "Wirtschaft & Umwelt", Zeitschrift für Umweltpolitik und Nachhaltigkeit Nummer 1/2011

 

 

*Vortrag am 27. Oktober 2001 im Rahmen des Symposions „Psyche und Berg“ in Puchberg am Schneeberg, organisiert vom Österreichischer Bergrettungsdienst Landesorganisation Niederösterreich/Wien und der Bergrettungsakademie für Wissenschaft und Forschung