Folder "Fliegen und Klima"

Der komplexe und vernetzte Wirtschaftszweig Tourismus ist einerseits vom Klimawandel stark betroffen, er ist andererseits aber auch ein wesentlicher Mit-Verursacher des Klimawandels.

So rufen Transport, Beherbergung und Aktivitäten unserer (Geschäfts)Reisen mittlerweile nach wissenschaftlichen Annahmen 9 % der gesamten Treibhausgasemissionen hervor (Quelle: UNWTO, Paul Peeters).

 

Insbesondere der Traum vom Fliegen entwickelt sich durch das rasante Wachstum für unsere Umwelt immer mehr zum Albtraum. Der Anteil des Flugverkehrs am Gesamtverkehrsaufkommen ist zwar nach wie vor gering, allerdings wird dort das stärkste relative Wachstum verzeichnet (Quelle VCÖ). Außerdem sind die Emissionen aus dem Verkehr im Vergleich zu anderen Sektoren österreichweit am stärksten gestiegen (Quelle: Umweltbundesamt).


Warum gerade Focus Flugverkehr?


Beim Fliegen wird die Emission in höheren Atmosphärenschichten ausgestoßen und das ist für die Umwelt noch schädlicher. Ausgegangen wird von einer ca. 3 mal so hohen Klimawirkung als bei Emissionen am Boden. Dazu kommt, dass die Menge des ausgestoßenen CO2 nicht allein den Treibhauseffekt des Flugverkehrs ausmacht. In großen Flughöhen wirken andere Effekte wie die Bildung von Ozon durch Stickoxide und die Bildung von Kondensstreifen und Zirruswolken deutlich stärker auf das Klima (Quelle: atmosfair). RFI (Radiative Forcing Index) heißt das Maß, das für die Berechnung der höheren Klimaschädlichkeit herangezogen wird.

Außerdem sind die Emissionen aus dem internationalen Flugverkehr aus den Kyotozielen ausgenommen. Es ist damit niemand dafür verantwortlich, den Ausstoß von Treibhausgasen im grenzüberschreitenden Flugverkehr einzubremsen. Noch hinzu kommt, dass im Gegensatz zu Benzin und Diesel der Flugtreibstoff Kerosin weder national noch international besteuert wird.

Global gesehen sind nur etwa 7 % der Weltbevölkerung schon einmal geflogen (Quelle VCÖ), die Auswirkungen und die Belastung auf unsere Umwelt durch unseren westlichen Lebensstil sind aber deutlich stärker auf der südlichen Erdhalbkugel zu spüren. Der Klimawandel ist somit auch ein sozial ungerechtes Phänomen.


Freiwillig kompensieren als Lösung?


Reisende, die ihre eigenen Flugemissionen kompensieren wollen, können Geld für Projekte spenden, die eine gleiche Menge an Treibhausgasen einsparen, wie durch den Flug entstehen. Der Grundgedanke der Kompensation ist, einen Ausstoß der hierzulande nicht vermieden werden kann, an einem anderen Ort der Welt zu verhindern.

Der/die SpenderIn sollte Anbieter und Projekte mit folgenden Standards bzw. Kriterien wählen:

  • Nicht-Fliegen ist für das Klima immer das Beste
  • Eine Klimaschutzspende ist immer nur die zweitbeste Lösung
  • Der Rechner des Anbieters muss den RFI Faktor berücksichtigen
  • Projekte im Süden sind aufgrund der globalen Ungerechtigkeit zu bevorzugen
  • Kompensieren nur für Flüge, weil man beim Auto selbst einiges tun kann: Umstieg auf die Bahn, Fahrgemeinschaften, sparsameres Modell, Fahrweise etc.
  • CDM (Clean Development Mechanism) und Goldstandard sind die strengsten Kriterien, denn die Projekte:
    -werden in Entwicklungs- und Schwellenländern durchgeführt,
    -sparen nachweislich Emissionen ein,
    -werden durch unabhängige Prüfer kontrolliert und
    -es kommen nur erneuerbare Energien und Energieeffizienz Maßnahmen zum Einsatz,
    -es entstehen ein Plus an Arbeitsplätzen und bessere lokale Umweltbedingungen,
    -die lokale Bevölkerung und Institutionen werden in die Planung miteinbezogen.

 

Tipps für Reisen mit dem Klimaplus

  • Bahn, Bus oder Fahrrad haben die beste Ökobilanz
  • Zielorte bis zu 700 km erreicht man auch ohne Flugzeug
  • Zielorte bis zu 2.000 km -> Aufenthalt mind. 8 Tage
  • Zielorte über 2.000 km -> Aufenthalt mind. 14 Tage
  • Setzen Sie auch in der Destination auf sanfte Mobilität
  • Buchen Sie Ihre Reise bei Veranstaltern, Reisebüros und in Hotels, die mit anerkannten Umweltzeichen ausgezeichnet sind
  • Eine landes-/regionstypische Verpflegung erhöht den Erlebniswert und freut das Klima
  • Bauweise und Architektur passt zur Region? Umso besser, denn das ist authentisch und hat weniger Auswirkung auf die Umwelt (Stichwort: Kühlung)
  •  Finden Sie Alternativen zu motorbetriebenen Aktivitäten, das trägt auch zur persönlichen Fitness bei
  • Gehen Sie auch in der Destination maßvoll mit Energie und Strom um

Quellen: Forumandersreisen, Naturfreunde Internationale,
respect und atmosfair.

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