Alpine Pearls - eine touristische Kooperation für den Klimaschutz

Ein entspannter Urlaub ohne Auto in den Alpen? Ja, das ist nicht nur möglich, sondern in den sogenannten Alpine Pearls sogar besonders attraktiv. Werfenweng im Salzburger Pongau hat sich als erster dieser Orte der sanften Mobilität verschrieben.

„So ein Spinner!“ war noch die freundlichste Meinung, welche die Bevölkerung von Werfenweng und Umgebung dem jungen Bürgermeister Peter Brandauer Anfang der 1990er Jahre mehr oder weniger direkt an den Kopf geworfen hat, als er seine Ideen zum Tourismus präsentierte, der in der Region deutlich rückgängige Gästezahlen aufwies.

 

Die Gäste sollten mit der Bahn (!!!) statt mit dem Auto anreisen oder – wenn sie doch unbedingt in den eigenen vier Blechwänden kommen mussten – das Gefährt doch wenigstens während des Urlaubs unbenutzt stehen lassen. Allen Unkenrufen zum Trotz, die das Ende des Tourismus für die Region prophezeiten, begann jedoch eine Erfolgsstory.

 

Heute kann man sich als Urlauber getrost zurücklehnen und am Weg nach Werfenweng aus dem Zugfenster auf die Staus der Tauernautobahn blicken. Der Abholservice am Bahnknotenpunkt Bischofshofen funktioniert. Eine Stunde vorher noch angerufen, steht der Minibus bereit. In 20 Minuten ist man mit seinem Gepäck – falls man es nicht sowieso per Haus-Haus-Gepäck von daheim hat abholen lassen – im Hotelzimmer. Und dann beginnt die Qual der Wahl: Welches Funfahrzeug nehme ich mir heute? Das Elektrofahrrad Alpine Flyer, ein Segway, ein Liegerad oder doch lieber die Pferdekutsche? Im Winter stehen auch Lamas für Trekkingtouren und Schneeschuhe bereit. Oder man borgt sich den Werfenwenger Grashüpfer aus: ein Auto, das mit Biogas aus Wiesengras fährt. Abends werden die Urlauber mit dem elektrobetriebenen Elois, dem Anruf-Sammeltaxi, vom Restaurant abgeholt und zur Unterkunft gebracht. Und das alles – für die sanft mobilen Gäste – kostenlos. Werfenweng ist zwar noch nicht autofrei, aber man arbeitet daran: Aktuell wird der Dorfplatz zu einer Fußgängerzone umgebaut.

 

2006 wurde als Ergebnis eines von der EU finanzierten alpenweiten Projekts die Kooperation der Alpine Pearls gegründet. Derzeit haben sich 21 Perlen in den Alpen der sanften Urlaubsmobilität verschrieben. In Österreich sind neben Werfenweng auch Hinterstoder in Oberösterreich, Mallnitz in den Kärntner Hohen Tauern und Neukirchen am Großvenediger in Salzburg Mitglied der Alpine Pearls.

Die Alpine Pearls geben ein „Qualitätsversprechen in 10 Punkten“ (nachzulesen auf www.alpine-pearls.com) – von der komfortablen und stressfreien Anreise per Bus oder Bahn über zahlreiche Angebote rund um Spaß- und Freizeitmobilität bis hin zur Förderung der alpinen Kultur, von Traditionen und der regionalen Kochkunst.

 

Das Netzwerk Alpine Pearls tauscht aber nicht nur Erfahrungen, sondern auch Touristen aus: Besondere Kooperationen ermöglichen Urlaube, die mehrere Perlen miteinander verknüpfen. Auf speziellen Wanderwegen wie dem PerlenTrekking Dolomiten zwischen den Südtiroler Perlenorten kann man Mehrtagewanderungen von Perle zu Perle unternehmen.

Gemeinsam mit einer Buchung in den drei österreichischen Alpine-Pearls-Orten Werfenweng, Neukirchen und Hinterstoder können Urlaubsgäste das Ticket „Alpenperle Österreich“ kaufen – eine billige Netzkarte für alle Strecken der ÖBB und der Postbusse in ganz Österreich für 3, 4, 7, 10 oder 14 Tage (ein Ticket z. B. für 3 Tage kostet 83 Euro, für Kinder die Hälfte). Eine Erweiterung dieses Angebots auf den ganzen Alpenraum ist geplant.

 

Nicht alle Perlenorte sind mit ihren Angeboten schon so weit wie Werfenweng, aber alle orientieren sich am touristischen Erfolg der Salzburger Gemeinde: Seit der Einführung des „Sanft mobilen Schlüssels“, so der Name der Erlebniscard für die sanft mobilen Gäste, vor zehn Jahren sind die Nächtigungen um etwa 25 Prozent gestiegen, in den Betrieben, welche die sanfte Mobilität unterstützen, sogar um über 50 Prozent. Heute kommt bereits fast ein Viertel aller Gäste mit öffentlichen Verkehrsmitteln (österreichweit sind es um die 12 Prozent) und spart so eine Menge CO2 – ein deutlicher Beitrag zum Klimaschutz, aber auch zum Urlaubserlebnis und zur Lebensqualität der Einheimischen.

„So ein Spinner!“ sagt heute kaum noch jemand zu Peter Brandauer – und wenn, dann klingt es ziemlich ehrfurchtsvoll.

 

 

Text von Dr. Christian Baumgartner, Generalsekretär der Naturfreunde Internationale

 

Kontakt

Weitere Informationen

Die Naturfreunde Internationale bereitet derzeit eine Kooperationsvereinbarung mit den Alpine Pearls vor, die allen Naturfreunde-Mitgliedern zugute kommen soll, die in einem der Alpine-Pearls-Orte — selbstverständlich autofrei — Urlaub machen. Sobald diese zustande gekommen ist, wird darüber im „Naturfreund“ bzw. hier zu lesen sein.

Weitere Informationen über die Alpine Pearls: www.alpine-pearls.com

 

Die drei österreichischen Alpenperlen Werfenweng, Neukirchen und Hinterstoder sind mit dem Spezialticket „Alpenperle Österreich“, einer Netzkarte für alle Züge der ÖBB und alle Busse der ÖBB-Postbus GmbH, äußerst kostengünstig erreichbar. Der Erwerb dieses Tickets ist allerdings an die Buchung eines Quartiers in Werfenweng, in der Urlaubsarena Wildkogel/Neukirchen oder in Bramberg bzw. Hinterstoder gebunden.

 

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